Kleine Taschenkunde: Vom Reiseschrank zum flinken Trolley – Die Geschichte des Gepäcks

historisches Kofferset vom Samsonite

Werfe ich einen Blick auf die Evolution des Reisegepäcks sowie den Trolley als ihre bisherige Spitze, muss ich mich schon sehr wundern: Der Koffer auf Rädern scheint so naheliegend, dass er eigentlich ziemlich direkt auf die Erfindung des Rades hätte folgen müssen. Tatsächlich kam der Trolley ausgesprochen behäbig hinterhergerollt: Zwischen beiden Erfindungen liegen in etwa fünfeinhalb Jahrtausende. Warum das so ungemein lange gedauert hat? Das erfahrt ihr in dieser Taschengeschichte.

Geschichte des Reisegepäcks - nostalgischer Koffer Softie von aunts & uncles
Ideal für Nostalgiker: Softie von aunts & uncles

Die späte Verbindung von Rad und Gepäck hat natürlich damit zu tun, dass der Mensch das Reisen erst vor Kurzem als potentielle Freizeitbeschäftigung entdeckt hat. Bis in die 1930er Jahre hatte er einfach Dringenderes zu tun und Reisen, erst recht zum Zweck der reinen Erholung, galt als Privileg der wenigen Vermögenden. Auch unter ihnen wurde die Erkundung der Welt erst im 19. Jahrhundert ein nennenswerter Trend, und auf ihrem Weg in ferne Lande begaben sich die frühen Globetrotter in überaus sperrige Gesellschaft: Auf die ebenso unhandliche wie schwere Kutschentruhe mit gewölbtem Deckel folgten mit der zunehmenden Verbreitung des Eisenbahn die genauso wuchtige, aber zumindest im Gepäckabteil stapelbare Truhe und schließlich der noch gewaltigere Schrankkoffer. Aufklappbar und mit zahllosen Schubladen, Fächern sowie einer Kleiderstange nebst Bügeln ausgestattet, präsentierte sich das Ungetüm als begehbarer Kleiderschrank für unterwegs, dessen Transport freilich eine Heerschar von Dienern erforderte.

Geschichte des Reisegepäcks - Trolley Neopulse Spinner 81/30 von Samsonite
Kleiderschrank auf Rollen – Neopulse Spinner 81/30 vom Samsonite

Auch wenn die Entourage irgendwann aus der Mode kam: Der Koffer der Marke „einer für alles“ konnte sich wacker am Markt behaupten. Auch heute gibt es schließlich Reiseformen und Destinationen, bei denen es sinnvoll ist, sicherheitshalber einfach alles einzupacken, was der Haushalt hergibt. Der kleine Unterschied zu damals: Moderne Schrankkoffer wie der Neopulse Spinner 81/30 von Samsonite mit seinem stattlichen Volumen von 124 Litern lassen sich dank flinker Rollen mühelos bewegen. Wer hingegen im 19. Jahrhundert sein Gepäck selbst stemmen musste, verteilte die Reiseutensilien auf mehrere bis viele kleinere Handkoffer und Reisetaschen, diverse Hutschachteln und Kosmetikkoffer – und bestätigte so den Schrankkoffer als Statussymbol.

Geschichte des Reisegepäcks - extrem starker Samsonite Koffer
Der Name deutet es an: Samsonite steht seit jeher für Stärke und Stabilität

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten handlichere Koffer an diesem Thron rütteln. Das Reisen wurde zum Massenphänomen und der ehemals üppige Stauraum im Zug – erst recht im eigenen Auto – schrumpfte schlagartig zusammen. Die neue Devise: Nicht zu groß und möglichst leicht hat das Gepäck zu sein. Die wachsende Begeisterung für Flugreisen brachte in den 1970ern die Stabilität als drittes Kriterium ins Spiel, und die Hersteller antworteten mit immer robusteren Materialien. Endlich war also die Bühne bereitet für den Trolley als Reisebegleiter Nummer eins.

Wer den wendigen Gefährten aber schließlich erfunden hat, lässt sich unmöglich sagen. Allgemein beliebt ist die Legende vom amerikanischen Piloten Robert Plath, der die Schlepperei als Teil seiner Stellenbeschreibung satthatte, 1987 kurzerhand Rollen unter und eine Stange an seinen Koffer schraubte und somit als erster Mensch überhaupt einen Trolley hinter sich herzog. Allerdings, mindestens Bernard Shadow, Vizepräsident eines amerikanischen Kofferherstellers, war ihm schon 1970 zuvorgekommen – nur dass er seinen Koffer noch an einem Band hinterherzerrte und seine Erfindung, im Gegensatz zu der des späteren Multimillionärs Plath, gnadenlos floppte. Und selbst ihm ist sicherlich mancher Rollkoffer vorausgeeilt, denn schon 1850 fanden Globetrotter im „Handbuch für Fußreisende“ den Bauplan für den kleinen Begleiter, der alles so viel leichter macht.

Geschichte des Reisegepäcks - Trekkingrucksack Deuter Aircontact 65+10
Unendliche Weiten entdeckst du in und mit Aircontact 65+10 von Deuter

Gesichert ist daher nur eines: Die Taufe der genialen Erfindung kann sich der französische Gepäck-Spezialist Delsey ans Revers heften. „Trolley“ nannte das Unternehmen nämlich 1972 seinen ersten Hartschalen-Rollkoffer. Doch wenngleich er nun einen Namen hatte, ließ der Siegeszug des Trolleys bis in die 1990er auf sich warten. Seitdem jedoch wird er, Innovation auf Innovation, immer widerstandsfähiger und zugleich leichter. Ob mit zwei oder vier Rollen ausgestattet, seine Konkurrenz hat der Trolley längst abgehängt.

Geschichte des Reisegepäcks -  Reisetasche Base Camp Duffel L von The North Face
Perfekt für die leichte Schulter: Base Camp Duffel L von The North Face

Dabei trumpfen auch die Mitbewerben mit jeweils eigenen Stärken auf: Die Reisetasche punktet von Haus aus mit noch geringerem Gewicht und lässt sich auf kürzeren Strecken auch ganz bequem schultern, während sich im Trekkingrucksack mit Volumenerweiterung und vielen Fächern immer noch ein Plätzchen für die kleinen Souvenirs findet. Aber dennoch, gegen Rollen sind sie chancenlos – oder etwa nicht? Welches ist dein Reisegepäck des Vertrauens? Und warum kommt für dich keine andere Begleitung in Frage?

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