Kleine Taschenkunde: Vom Ladenhüter zur Fürstin unter den Handtaschen – die Kelly Bag

Kelly-Desing von Coccinelle

Taschen sind reine Modeartikel und somit allein dem sich wandelnden Geschmack unterworfen? Weit gefehlt! Gerade jene Taschen, die Mann und Frau nicht nur aus praktischen Erwägungen an ihrer Seite haben, sind Spiegel der Zeit und der Entwicklung, die eine Gesellschaft durchläuft – und obendrein haben sie so manch spannende Anekdote zu erzählen. Also hören wir ihnen doch einfach mal zu.

Für den Auftakt der Taschengeschichten habe ich keine Geringere als die Kelly Bag ausgewählt. Denn wenn jemals eine Tasche Geschichte geschrieben hat, dann sie. Wenn nicht gar die Königin unter den Handtaschen, so ist sie doch mindestens eine Fürstin – ganz so wie die namensgebende Gracia Patricia von Monaco, besser bekannt als Grace Kelly. Eine weitere Parallele: Analog zur Kelly, einer geborenen Bürgerlichen, musste die Bag in den modischen Adelsstand einheiraten. Erst die Verbindung mit der Hollywood-Größe verhalf ihr nämlich zum Ruhm, der bis heute währt.

Kelly Bag - Berlin Kurzgrifftasche von Picard
Kelly-Design in Reinkultur: Die Berlin Kurzgrifftasche von Picard

Die Kreation, die sich zum größten Erfolg der Firmengeschichte entwickeln sollte, brachte das Haus Hermès erstmals 1935 heraus, zunächst natürlich noch unter ihrem bürgerlichen Namen: Petit Sac Haut à Courroies, zu deutsch: kleine, hohe Tasche mit Henkeln, oder einfach die Hermès. Obwohl das Modell nur mäßigen Absatz fand, blieb es fester Teil des Sortiments und wurde immer wieder neu aufgelegt – bis Grace Kelly es schließlich für sich entdeckte.

1956, am Tag ihrer Verlobung mit Fürst Rainier III. von Monaco wurde die Leinwand- und Mode-Ikone mit einer solchen Tasche abgelichtet. Als in der Folge auch noch Gerüchte die Runde machten, die Fürstin hätte ihre Schwangerschaft mithilfe einer Hermès verbergen wollen, nahm die Geschichte ihren unvermeidlichen Lauf: Binnen kürzester Zeit avancierte die Tasche zum Kultobjekt und wurde von aller Welt als Kelly Bag bezeichnet – bald auch von Hermès selbst. Seither gilt ihr Schnitt als Inbegriff des klassisch-femininen Stils. Kein Wunder also, dass das Grunddesign der Kelly Bag bei allen namhaften Feintäschnern Einzug gehalten hat. Auch beim Hoftäschner von Queen Elisabeth II. übrigens – nach wie vor ist die Aristokratin unter den Handtaschen im Königshaus zugegen.

Kelly Bag - Really Kurzgrifftasche von Picard
Die Really Kurzgrifftasche von Picard überzeugt mit praktischen Steckverschluss

Taschen im Kelly-Design begegnen uns heute in allen denkbaren Materialien und Macharten, Farben und Größen. Doch was genau macht nun das Typische sowohl der original Kelly von Hermès als auch ihrer zahllosen Nachfolger im Geiste aus? Die deutlichsten Erkennungszeichen sind die Front- und Rückenpartien in akkurater Trapezform sowie die nach innen gefalteten Seiten, die das markante, keilförmige Profil ergeben. Gepaart mit festem Leder verleihen sie einer Tasche im Kelly-Design ihre charakteristische Stabilität: Was auch passiert, die Grande Dame unter den Handtaschen bewahrt Haltung. Hinzu kommen traditionell der kurze Überschlag – ganz klassisch mit darüber verlaufendem Verschlussgürtel –, ein einzelner, fester Henkel und die deutlich erkennbare Sattlernahnt.

Ein absolut mustergültiger Vertreter des Kelly-Designs ist die Berlin Kurzgrifftasche von Picard – hier stimmt wirklich jedes Detail mit dem Original-Bauplan überein. Eine leichte und überaus praktische Variation des Themas erlaubt sich das Offenbacher Traditionsunternehmen hingegen mit dem unkomplizierten Steckverschluss der edlen Really Kurzgrifftasche. Doch nicht nur Picard hat sich mit einem Großteil des Sortiments dem damenhaften Stil verschrieben: Auch bei Coccinelle und abro sind daher moderne Interpretationen der Kelly Bag Teil beinahe jeder Kollektion.

Kelly Bag - Oslo Handtasche von Coccinelle
Kelly à la Coccinelle: Die Oslo Handtasche mit weicheren Formen und exklusiver Saffiano-Schraffur
Kelly Bag - Suede Henkeltasche von abro
Auch die Suede Henkeltasche von abro präsentiert sich mit herrlich softem Veloursleder deutlich kurviger als die Ur-Kelly

 

 

 

 

 

 

 

 

Solche Vielfalt macht natürlich eines klar: Es gibt keine Ausrede mehr, den klassisch-eleganten Look nicht gekonnt mit einer Tasche im Kelly-Design zu komplettieren. Wie ließe sich schließlich der Stil wahrer Ladys besser zelebrieren als mit der Fürstin unter den Handtaschen?

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